Chronologie der Privatisierung

Die vollständige Privatisierung des RAW-Geländes durch die Deutsche Bahn fand im Jahr 2007 statt.

Die Chronologie der Privatisierung. (2007)

Die Vivico Real Estate GmbH (das Nachfolge-Immobilienunternehmen der Bundeseisenbahnen, welches das staatliche Bahndenkmal verwaltete) verkaufte das Areal. Das Gelände ging 2007 an eine private, isländische Investorengruppe namens R.E.D. Berlin Development GmbH (später oft auch als isländische Eigentümergesellschaft BNRE in den Quellen geführt).

Ab diesem Moment war das Gelände zu 100 % privatisiert. 2. Der Weiterverkauf unter privaten Parteien (2015). Die Isländer hielten das Gelände jahrelang (blockiert auch durch interne Rechtsstreitigkeiten) und entwickelten es kaum weiter. …

Die weltweite Finanzkrise brach am 15.09.2008 mit dem offiziellen Insolvenzantrag der US-Investmentbank Lehman Brothers aus. Der isländische Investor, die R.E.D. Berlin Development GmbH, geriet nur wenige Wochen später, im Oktober 2008, durch den totalen Kollaps des isländischen Bankensystems massiv ins Schlingern. Island war von dem globalen Liquiditätsstopp extrem betroffen. Die drei isländischen Großbanken (Glitnir, Landsbanki und Kaupthing) hatten sich jahrelang im Ausland astronomisch hoch verschuldet, um die aggressive Expansion isländischer Investmentgesellschaften zu finanzieren. Der Kollaps: Anfang Oktober 2008 brachen alle drei Banken innerhalb weniger Tage zusammen und mussten vom isländischen Staat notverstaatlicht werden.

Die Auswirkung auf das RAW-Gelände: Die isländischen Investoren hinter der R.E.D. Berlin Development GmbH verloren durch den Bankenkrach von heute auf morgen ihren gesamten finanziellen Rückhalt und ihre Kreditlinien.Die direkten Folgen für das RAW-Gelände. Da der Investor ab 10-2008 handlungsunfähig war, passierte auf dem Areal jahrelang städtebaulich überhaupt nichts. Die isländischen Eigentümer versanken in internen Rechtsstreitigkeiten und Verhandlungen mit ihren Gläubigerbanken.“ …

Erst 2015 wurde dieses bereits private Gelände in Teilen weiterverkauft: Der Westteil ging im April 2015 an die Göttinger Kurth Immobilien-Gruppe (Familie Kurth).Der Ostteil ging an die IC Immobilien Gruppe.

Politisch Verantwortliche für das Ressort Verkehr im Jahr 2007: Da die Deutsche Bahn zu 100 Prozent dem Bund gehört, lag die direkte politische Aufsicht beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Wolfgang Tiefensee (SPD) war von 2005 bis 2009 Bundesverkehrsminister. Er musste den Spagat zwischen Mehdorns Börsenplänen und den kritischen Stimmen in der eigenen Partei moderieren.

Die politische Verantwortung für den Vivico-Verkauf: Der gesamte Vivico-Bereich unterlag einer geteilten politischen Zuständigkeit, da die Vivico historisch aus dem Bundeseisenbahnvermögen stammte und direkt dem Bund (und nicht allein der DB AG) zugeordnet war: Das Bundesfinanzministerium: Geleitet von Peer Steinbrück (SPD), war das Finanzministerium direkt für die Privatisierung bundeseigener Unternehmen zuständig. Steinbrücks Ministerium trieb den Komplettverkauf der Vivico voran, um Einnahmen für den Bundeshaushalt zu erzielen. Die politische Gesamtverantwortung: Der Verkauf der gesamten Vivico-Gruppe (inklusive aller noch nicht einzeln veräußerten Flächen wie dem RAW-Gelände) im Dezember 2007 an die österreichische CA Immo wurde vom Bundeskabinett der Großen Koalition beschlossen und verantwortet.