Zum drohenden Ende des Cassiopeia und zur Zukunft des soziokulturellen L auf dem RAW-Gelände
Berlin, den 15. Juni 2026: Die RAW Kultur L eG bedauert den einseitigen Ausstieg des Eigentümers Kurth-Immobilien aus dem B-Planverfahren, sowie die aktuelle Entwicklung rund um Teile des soziokulturellen L auf dem RAW-Gelände außerordentlich. Mit dem Vorgehen gegen einzelne Clubs auf dem Gelände, wird ein gewachsener Kulturort bedroht, der seit vielen Jahren Teil der kulturellen Identität Berlins ist. Das komplette soziokulturelle L muss erhalten bleiben
Die vielen unterschiedlichen Nutzungen des soziokulturellen L Club und Musik, Sport und Bewegung, Kinder und Jugend, Essen und Trinken, Kunst und Spiel stehen exemplarisch für ein Berlin, das Räume nicht nur verwaltet, sondern aus ihnen gesellschaftliche, kulturelle und urbane Praxis entstehen lässt. Diese Orte sind keine austauschbaren Zwischennutzungen. Sie sind Teil der DNA dieser Stadt.
Die Clubs und wirtschaftlich tragfähigeren Nutzungen am soziokulturellen L ermöglichen seit Jahren eine Quersubventionierung gemeinwohlorientierter Projekte, die selbst nicht kostendeckend arbeiten können. Wenn diese Nutzungen wegfallen, bricht nicht nur ein einzelner Club weg – dann gerät die gesamte soziale, kulturelle und wirtschaftliche Balance des Standorts ins Wanken.
Wir weisen die Aufforderung der kurzfristigen Schließung und Räumung des Cassiopeia Clubs entschieden zurück. Eine solche Forderung wird weder der kulturellen Bedeutung des Ortes noch der langjährigen gemeinsamen Arbeit am Standort gerecht. Wir solidarisieren uns mit dem Cassiopeia, seinem Team und allen Kulturschaffenden, die durch die aktuelle Entwicklung in ihrer Existenz bedroht sind.
Wir fordern weiterhin ein Bekenntnis zum kooperativen Städtebau
Über Jahre wurde am RAW-Gelände die Idee eines kooperativen Städtebaus erzählt: Eigentümer, Bezirk, Senat, Nutzer:innen und Stadtgesellschaft sollten gemeinsam einen Weg finden, mit dem Entwicklung ermöglicht wird, ohne die gewachsene Soziokultur zu verdrängen. Genau dieses Versprechen stand im Zentrum der öffentlichen Kommunikation, der politischen Gespräche und auch zuletzt unserer Kampagne „Berlin ist RAW“.
Jens Schwan, Sprecher der RAW Kultur L eG, erklärt dazu: „Die Frage ist, ob kooperativer Städtebau auf dem RAW-Gelände wirklich als gemeinsamer Prozess verstanden wurde – oder ob er am Ende nur so lange nützlich war, wie er als positives Narrativ für die Entwicklung des Standorts dienen konnte. Wir haben bis zuletzt daran geglaubt, dass Eigentümer, Politik und Nutzer:innen gemeinsam eine Lösung finden können. Gerade deshalb ist es so bitter, dass nun ausgerechnet einer der zentralen Kulturorte des Geländes unter Druck gesetzt wird und der Eigentümer aus dem B-Planverfahren ohne Diskussion der vom Senat und der BVV gemachten Lösungsvorschläge einseitig ausgestiegen ist.“
Die RAW Kultur L eG hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für einen gemeinsamen Weg eingesetzt. Auch die Kampagne „Berlin ist RAW“ hatte das Ziel, nicht den Konflikt, sondern die gemeinsame Verantwortung für diesen besonderen Ort sichtbar zu machen. Sie sollte zeigen, dass Entwicklung und Erhalt keine Gegensätze sein müssen, wenn alle Beteiligten bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Umso unverständlicher ist es, dass nun ausgerechnet die Kulturorte unter Druck geraten, die das RAW-Gelände seit Jahren prägen. Wer öffentlich mit dem Bild eines lebendigen, kreativen und soziokulturellen RAW-Geländes arbeitet, muss auch Verantwortung dafür übernehmen, dass diese Orte nicht verdrängt werden.
Wir sind überzeugt, dass die gemeinsame Lösung am Verhandlungstisch entsteht
Wir appellieren deshalb an die Eigentümerin an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ebenso appellieren wir an Bezirk und Senat, alle rechtlichen, politischen und städtebaulichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das soziokulturelle L in seiner Gesamtheit zu sichern.
Berlin braucht Entwicklung. Aber Berlin braucht auch Orte, die diese Stadt ausmachen. Das RAW-Gelände darf nicht zu einem Beispiel dafür werden, dass kollaborativer Städtebau nur als Erzählung funktioniert – und endet, sobald es konkret um den Schutz gewachsener Kultur geht.
Unser Ziel bleibt eine verhandelte Lösung: für das Cassiopeia, für das soziokulturelle L, für das RAW-Gelände und für Berlin.
Über die RAW Kultur L e.G.
Die Genossenschaft RAW Kultur L existiert seit 2018 und macht sich für soziale und kulturelle Angebote auf dem RAW-Gelände stark – abseits von kommerziellem Druck. Sie vertritt das „Soziokulturelle L“ auf dem Areal und engagiert sich für ein offenes, buntes Miteinander im Kiez und darüber hinaus.